Montag, 6. September 2021

Alltägliches (LXXV)

Er ist schon im
Corona-Archiv.

Der Mann, der nie lächelt

Der Wissenschaft dient doch jede und jeder gern. Also auch der Polizeibeamte aus Funchal, den ich im September vorigen Jahres während des Blumenfestes fotografiert habe. Dieses Foto gehört inzwischen zum Corona-Archiv der Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen. Diese drei Universitäten haben bei Beginn der Corona-Pandemie ein Projekt gestartet, um alles, was während der Pandemie geschieht, für die Nachwelt zu erhalten und der Wissenschaft dienlich zu machen. 

In dieses Archiv wandert nun auch ein Beitrag von mir über einen Mann, der nie lächelt, er ist 60 Jahre alt und züchtet Rosen. Seit 2015 regiert er Madeira und legt bei jeder Rede für die Insel den Weltmaßstab an. Wenn er Solarboote einweiht, wenn er Ausstellungen besucht, wenn ein Gebäude, ein Platz oder eine Straße renoviert worden ist, erfahren die Leute von ihm, dass sie gerade einem Ereignis beiwohnen, dass seinesgleichen sucht. 

Miguel Albuquerque heißt er, von Beruf ist er Rechtsanwalt, aber: Obwohl er fünf Kinder hat, glaubt er nicht an den Weihnachtsmann. Deswegen steht sein Name demnächst auch im Corona-Archiv der Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen.   

Samstag, 4. September 2021

Alltägliches (LXXIV)

Mein nächstes Rad.
Foto: Heinz-Peter Tjaden

Hinter den sieben Bergen Rad gekauft

"Ihre Fahrradmarke wünscht Ihnen gute Fahrt und legt Ihnen ans Herz, unterwegs die Umwelt in Feld, Wald, Gewässer und Flur zu schützen." Aber sicher, liebe Fahrradmarke "Licorne Bike", die Umwelt wird von mir geschützt, denn ich muss seit mehr als einer Woche wieder zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren. Euer Bike hat nämlich kein halbes Jahr gehalten und einen Umtausch habt ihr abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit gabt ihr mir sogar noch mit auf den Fußweg, dass ich nichts Negatives über euer so genanntes "Qualitätsfahrrad"  veröffentlichen sollte. Mach ich nicht. Denn auf euer Bike wollt ihr nicht einmal eine Garantie geben. Das ist doch nun wirklich positiv genug.

Wie oft ich in der Licorne-losen Zeit gefragt worden bin, warum ich nicht mit dem Rad unterwegs bin, kann ich schon nicht mehr zählen. Muss ich auch schon bald nicht mehr. Denn heute bin ich bei Decathlon in Sao Martinho gewesen. Das ist hinter den sieben Bergen, aber trotzdem mit der Buslinie 8 zu erreichen. In einer riesigen Halle wird alles angeboten, was man für Radtouren so braucht. Dazu gehören selbstverständlich auch Fahrräder, die sehr preiswert sind. 

Ich fand mit Hilfe eines jungen Verkäufers schnell ein passendes, das ich in einer Woche hinter den sieben Bergen abholen kann. Ich bin schon immer gern mit dem Rad unterwegs gewesen, in der Region Hannover sogar bei Wind und Wetter, also auch bei Eis und Schnee. Auf 30 Kilometer am Tag brachte ich es immer. 

Da das Haus, in dem ich wohne, und das Zentrum von Funchal gut 10 Kilometer auseinander liegen, hat sich meine Leistung auf Madeira nicht verschlechtert. Nur am Wochenende radele ich meistens nach Camara de Lobos. Ich liebe dieses Fischerstädtchen.


Mittwoch, 1. September 2021

Alltägliches (LXXVII

Nach dem 1 : 1 in der
89. Minute erzielt 
Ronaldo in der 96. Minute
auch noch das 2 : 1

Ein gelber Bus und ein Urlaubs-Paar aus Österreich

Das muss ich einfach loswerden, obwohl gleich das Spiel Portugal gegen Nordirland beginnt, aber wenn ich mit meinen Anmerkungen nicht fertig werde, melde ich mich in der Halbzeitpause wieder.

Gelbe HF-Busse bestimmen das Straßenbild in Funchal. Vor dem Haus, in dem ich wohne, fährt die Linie 1 ab. Laut Fahrplan beispielsweise, aber auch nur angeblich um 13.10 Uhr. Auch an der nächsten Station steht diese Uhrzeit auf dem Fahrplan. Sie steht auf allen Fahrplänen, die ich zwischen Sao Martinho und  Avenida do Mar in Funchal kenne. 

Halbzeit beim Spiel Portugal gegen Nordirland. Die Gäste führen mit 0 : 1. Portugal vergibt kurz vor dem Halbzeitpfiff zwei Riesenchancen. 

Heute bin ich mit der Linie 1 auch nach Hause gefahren. Ein Urlauber aus Österreich studiert an der Haltestelle in der Nähe des Parlamentsgebäudes den Fahrplan und sagt zu seiner Frau, dass die Linie 1 um 17.10 Uhr abfährt. Wenn der wüsste. Denn auch das ist nur die Startzeit des Busses an der ersten Station. Das Paar wird also noch ein paar Minuten warten müssen. Macht es aber nicht. Es läuft zur nächsten Station, weil es glaubt, den Bus verpasst zu haben.

Dort steigt das Urlaubs-Paar ein, ich sitze bereits im Bus, das Paar staunt. Doch er wäre keiner dieser  Österreicher, die sich damit einfach abfinden. Sie hört meistens nur zu, er fängt an, sich darüber zu beklagen, dass im Bus niemand Abstand hält. 

"Was soll der Fahrer denn tun?", fragt sie ihn, etwas schüchtern.

"Er könnte sagen, dass der Bus voll ist und die Leute den nächsten Bus nehmen sollen."

Dabei bedenkt er aber nicht, dass er dann mit seiner Frau gar nicht in diesem Bus wäre. Seine Ankündigung "Gleich gehen wir noch eine Runde schwimmen" könnte er also nur verspätet in die Tat umsetzen. 

Bis zu dem Hotel, in dem das Paar wohnt, fallen ihm auch noch lautstarke Beschwerden über den Fahrstil des Busfahrers und über fehlende Durchsagen ein, ihn stören die Autos, die den Bus angeblich behindern, und wenn seine Frau ihn nicht gefragt hätte, ob "das links da nicht unser Hotel ist", würde ich dem Paar wahrscheinlich morgen wieder in der Linie 1 begegnen, die angeblich um 13.10 Uhr vor meinem Haus abfährt, weil die beiden immer noch im Bus stehen. 

Die zweite Halbzeit beginnt. Wehe, Cristiano Ronaldo erzielt nicht bis zur 50. Minute den Ausgleich. 

Nach dem Spiel: Ronaldo erzielt erst in der 89. Minute den Ausgleich und setzt in der 96. Minute noch einen drauf. 2 : 1 für Portugal.