Sonntag, 16. Mai 2021

Alltägliches (XXVII)

Pünktlich sein.

Auf die Minute genaue Verspeisung des einwandfreien Inhaltes von "pingo doce"-Joghurtbechern

"Consumir até 28. Mai 15.17 Uhr." Das passt mir. Denn der 28. Mai ist ein Freitag. Um 15.17 Uhr alle vier Joghurt-Becher ausgelöffelt zu haben, dürfte kein Problem sein. Ich muss vorher nur alle Uhren kontrollieren. Nicht auszudenken, wenn ich nicht pünktlich fertig wäre.

Auch sonst nimmt es "pingo doce" sehr genau. Jeder Joghurt-Becher ist ein Lesebuch. Nur der Deckel ist spärlich beschriftet. Bis auf die minutengenaue Verfallszeit wird dort nur die Sorte verraten. Ich habe Morango genommen. Und zwar in kleinen Stücken. Pedacos Morango also.

Besonders beeindruckend ist die Rückseite des Bechers. Dort wird mir nicht nur schriftlich, sondern auch mit Symbolen  versichert, dass der Inhalt in jeder Hinsicht einwandfrei ist. Dafür garantieren demnach anerkannte Institute. Erinnert werde ich auch an die minutengenaue Verfallszeit: "Consumir até: ver tampa."

Auf den Joghurt-Bechern nennt das 41 Jahre alte Unternehmen zudem eine Service-Nummer, die ich Tag und Nacht anrufen kann: 808 20 45 45. Sollte ich also die minutengenaue Verfallszeit während des Joghurt-Genusses überschreiten, könnte ich mich in Lissabon erkundigen, was nun zu tun ist oder gemacht werden muss. 

Von das Beste hoffen bis Magen auspumpen lassen, dürfte es für mich viele Möglichkeiten geben. Die auf dem Becher unter der Telefonnummer empfohlene "Visite o site" empfiehlt sich dann wohl nicht mehr. Zeit im Überfluss hätte ich erst wieder nach der ersten Visite eines Krankenhausarztes. Auch für www.pingodoce.pt.



Donnerstag, 13. Mai 2021

Alltägliches (XXVI)

Was ist da
drauf?
In Beilage deutlich erkennbar: Auch in Calheta wimmelt es von Präsidenten

Der Kampf um die Rathäuser auf Madeira hat begonnen. Das "Journal Madeira" (JM) ist bestens darauf vorbereitet. Versichert der stellvertretende JM-Chefredakteur Miguel Silva auf Seite 3 der heutigen Beilage über Calheta. Um die Sache nicht zu kompliziert zu machen: Auf Madeira wimmelt es in der Politik nur so von Präsidenten, wer an der Spitze von irgendwas steht, ist einer. 

Das läppert sich, denn zum Landkreis Calheta gehören Arco da Calheta (3168 Einwohner), Estreito da Calheta (1605 Einwohner), Ponta do Pargo (909 Einwohner), Prazeres (704 Einwohner), Faja da Ovelha (899 Einwohner), Calheta (3160 Einwohner), Jardim do Mar (204 Einwohner) und Paul do Mar (871 Einwohner). Das sind schon einmal acht Orte mit acht Präsidenten. 

Wie die derzeitigen aussehen, kann man in der Beilage auf den Fotos erkennen. Das kann man von den anderen Fotos nur selten sagen. Was außer den Präsidenten abgebildet wird, erfährt man meistens nur aus der Bildunterschrift. "Ein Kunstwerk an jeder Ecke" soll man auf Seite 3 entdecken. 

Links oben in dem Bilderbogen erahnt man vier Blumentöpfe, darunter ein Fahrrad an einer Mauer und schließlich einen Mann, der einen Sonnenuntergang bewundert. Die Mitte von der Mitte des Bilderbogens wird mit zwei völlig misslungenen Abbildungen gefüllt, auch links versagen die Sehnerven der Betrachterinnen und Betrachter. 

In Calheta sind laut JM-Bilderbogen die Details wichtig, die Besucherinnen und Besucher seien in der Natur in bester Gesellschaft. Das hätte man dem Fotografen sagen sollen. Oder der Druckerei?

Mittwoch, 12. Mai 2021

Alltägliches (XXV)

Tolles Treppenhaus.
Foto: Heinz-Peter Tjaden

Das Kaufhaus, in dem man nicht einmal einen Gartenzwerg übersehen kann

Wer bei diesen Treppen nicht an die Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry, die Harry Potter besucht, denkt, der sollte dieses Kaufhaus im Zentrum von Funchal wieder verlassen und auf der anderen Seite wieder hineingehen, vielleicht wird es dann magisch. Eng wird es auf jeden Fall, im Erdgeschoss noch nicht, aber im Keller, wo man alles für die Küche kaufen kann, was man bisher noch gar nicht vermisst hat. Mit niedrigen Preisen wird einem schon dort das Geld aus der Tasche gezaubert. Die Treppe nach unten ist übrigens längst nicht so zauberhaft wie die Treppe nach oben. Aber mit dem Quirl in der Hand geht man auch noch lange nicht zur Kasse. Dafür bleibt es eng.

Zwischen die Regale passt überall immer nur eine Kundin oder ein Kunde. Deshalb kann man gar nicht anders: Man schenkt im ersten Stock sogar dem Gartenzwerg Aufmerksamkeit, man möchte ihn adoptieren und aus dem Regal befreien, das er mit Gläsern teilen muss, die im Garten zu Leuchten werden sollen, sobald man zwei Batterien eingelegt hat. Nicht weit entfernt vom Gartenzwerg gibt es auch eine Stehlampe für drinnen. Wer die mitnimmt und in seinem Haus anschließt, verlässt den Garten nie wieder. Worüber sich der Gartenzwerg sicherlich freuen würde.

Wie in Harry Potters Schule gibt es auch in diesem Kaufhaus Bereiche, die man erst betritt, wenn einem jemand entgegenkommt, man also sicher sein kann, dass Schnäppchen machen nicht mit unerwarteten Entdeckungen einher geht, sondern nur mit dem Gefühl, dass niemand einen finden würde, wenn jetzt die Öffnungszeit des Kaufhauses zu Ende wäre. 

So schlimm wäre das allerdings auch nicht, denn noch einer ist immer da: der Gartenzwerg.